"Eine Stadt, ein Bild, auf der Suche der Seele einer Stadt"

Eine Stadt, ein Bild: auf der Suche nach der Seele einer Stadt
Als ich 8 Jahre alt war, machte ich im Sommer 1960 mit meiner ersten Kamera einen Film. Das waren insgesamt 12 Bilder. Mit meiner neuen Minolta SRT101 waren es im Sommer 1972 über 200 Bilder. Heutzutage werden es mit meiner Digitalkamera manchmal über 100 Bilder an einem Tag. Was soll diese Inflation? Was hat das für einen Sinn? Die Frage ist: verlerne ich mit der Zeit nicht das Fotografieren? Sollte der Fotograf nicht das Bild im Kopf haben, bevor es auf dem Speicher ist? Oder ist die Kamera so etwas wie eine Maschinenpistole? Wenn ein Fotograf eine Stadt besichtigt, macht er mehrere oder gar viele Bilder. Für diese Ausstellung habe ich mich gefragt: und wenn es nur eins sein sollte? Die nächste Frage war: welches erste Bild fällt mir ein, wenn ich an diese oder jene Stadt denke? oder welches Bild hat mein Gedächtnis so geprägt, dass es für mich das Wesen selbst dieser Stadt darstellt? und als logische Folge: was besagt das, was ich fotografiert habe? Nun ist diese Ausstellung das Ergebnis dieser Überlegung. Selbstverständlich ergeben sich dabei ein paar Stereotype, die aber - meines Erachtens - auch ein Stück Realität oder auch etwas Wahres enthüllen. Die meisten Bilder haben als einziges Motiv eine bestimmte Situation. Bei einigen Bildern handelt es sich um eine Collage (z.B. Saigon, Dubai oder Athen).
Eine Stadt hat viele Gesichter und sie zeigt jedem Besucher ein anderes. Nach Gilbert Keith Chesterton sieht der Tourist das, was er sich vorgenommen hat, zu sehen. Der Reisende sieht, was er sieht. Es ist nun mal so, dass ich gerne reise! Es handelt sich hier also nur darum, etwas von dem Eindruck oder von dem Gefühl wiederzugeben, das ich zu einem Zeitpunkt meines Lebens empfunden habe und das sich in mein Gehirn so geprägt hat, dass ich es nicht mehr von meinem Bild dieser Stadt trennen kann. Jeder Betrachter meiner Bilder wird etwas anderes sehen, denken oder empfinden, was seinem/meinem/irgendwelchem Standpunkt entspricht oder nicht. Das ist egal, jeder hat recht, nichts ist falsch, nichts ist richtig. Etwas Feinfühligkeit ist allerdings erforderlich, um die Vielseitigkeit einer Stadt wahrzunehmen.
Alle Bilder wurden mit einer Kleinbildkamera aufgenommen (in letzter Zeit Leica M9 und Nikon D810). Das native Format der von diesen Kameras gelieferten Bilder ist 24x36. Ich wollte aber ein quadratisches Bild. Ich musste also die Ränder - links und rechts, bzw. oben und unten - beschneiden. Ich habe bewusst das quadratische Format gewählt, das - meines Erachtens - die Grenzen einer Welt betont, in der Vertikalität nicht über Horizontalität siegt und umgekehrt. Der Blick des Betrachters ist dann frei, nicht entlang einer dominanten Achse ausgerichtet.
  • Tokyo 2015
  • Athènes 2018